03.08.2026 - Ralf Laubscher

Dein Rad in guten Händen

Wie vier Mannheimer Rad-Enthusiasten Radkultur gestalten und Menschen verbinden

Lesezeit: 6 Minuten
Drei Mitarbeitende stehen lächelnd zwischen Fahrrädern und Werkzeug in einer Fahrradwerkstatt.

Warmer Sommerwind streicht durch den Hinterhof der Werftstraße 29. Aus offenen Fenstern mischt sich das Geklapper von Kochgeschirr mit unterschiedlichsten Sprachen. Die Tür zur Werkstatt steht weit offen, daneben dutzende Fahrräder, die Kunden zur Reparatur gebracht haben. Drinnen duftet es nach frisch gebrühtem Kaffee. Von wegen Werkstatt: Es könnte auch ein WG-Wohnzimmer sein, in dem hier geschraubt wird. Auf einer gemütlichen Vintage-Couch zum Interview versammelt: Basement-Gründer Nico und die Mitgründer Arne und Hannes. Die Rad-Enthusiasten bieten hier Bikes, Reparaturen und Radkultur mit sozialem Engagement, Projekten und Aktionen.

  



Ralf Laubscher

Das Fahrrad wurde 1817 von Karl Drais in Mannheim erfunden. Seine Innovation hat den Grundstein für die Zweiradmobilität gelegt. Inspiriert euch diese Geschichte?

Nico Netzer

Nico Netzer

Sie ist sicher eine Grundlage für den Mannheimer Rad-Lokalpatriotismus. Mit dem Radfestival „Monnem Bike“ hat die Stadt diese Geschichte ja auch zum Thema gemacht. Bei zwei Festivalausgaben waren wir mit Ständen vertreten, natürlich immer mit unserer Basement Bike-Couch und Kaffeemaschine. Dabei ist dann auch die Idee für die Radchecks mit der Stadt Mannheim entstanden.

Drei Männer sitzen gemeinsam an einem Tisch in einer Fahrradwerkstatt und unterhalten sich.

Ralf Laubscher

Radchecks veranstaltet ihr in Kooperation mit Mannheimer Unternehmen. Was ist die Idee dahinter?

Hannes Stockmar

Hannes Stockmar

Die Idee ist es, Menschen für das Thema Fahrrad zu begeistern und niedrigschwellig kostenlose Hilfe anzubieten. Mit unserer mobilen Werkstatt checken wir vor Ort Fahrräder. Wir prüfen den Zustand und machen kleine Servicearbeiten. Häufig ist mit Luft, Öl und etwas Einstellung schon viel gewonnen. Radchecks bieten wir in Kooperation mit den Unternehmen Roche und MVV an, aber auch mit der Klimaschutzagentur und der Stadt Mannheim selbst.

Ralf Laubscher

Mannheim ist eine Gründerstadt. Wie kam es zur Gründung von Basement Bikes im Hafenquartier Jungbusch?

Eine Person steht in einer Fahrradwerkstatt vor einer Werkbank und Werkzeugwand, eingerahmt von unscharfen Fahrradteilen im Vordergrund.
Nico Netzer

Nachdem ich jahrelang an Motorrädern geschraubt hatte, hatte ich Lust, eine Fahrradwerkstatt zu eröffnen. Leute, die Rad fahren, fand ich einfach cooler. Als dann 2009 in der Werftstraße ein Raum frei wurde, war Basement Bikes geboren. In einem Keller, deshalb der Name.

Ralf Laubscher

Heute seid ihr vier gleichberechtigte Inhaber. Wie hat sich das Team entwickelt? Habt ihr euch im Jungbusch gefunden?

Nico Netzer

Nico Netzer

In Mannheim lernt man schnell Leute kennen. Wir haben uns bei einem der ersten Nachtwandel-Events im Jungbusch gefunden. Ein Freund, den ich vom Bike-Polo kannte, sagte mir: „Hey, wenn du hier Fahrräder schraubst, musst Du Hannes kennenlernen.“

Hannes Stockmar

Hannes Stockmar

Nico hat mich dann gefragt, bei Basement Bikes einzusteigen. Der Laden begann schnell zu laufen und wir merkten, dass alles größer werden musste. Ein paar Ecken weiter entdeckten wir einen Hinterhof mit mehreren Räumen und so sind wir in unserer heutigen Base in der Werftstraße 29 gelandet.

Arne Große Hülsewiesche

Arne Große Hülsewiesche

Heute sind wir ein festes Team von vier Inhabern. Wir entscheiden alles im Team und organisieren mit Liebe, Herzblut und Idealismus den Ladenbetrieb.

Der Verkaufsraum einer Fahrradwerkstatt mit ausgestellten Fahrrädern, Fahrradrahmen, Zubehör und einer Werkstatttheke.

Ralf Laubscher

Was unterscheidet Basement Bikes von einem normalen Fahrradladen?

Nico Netzer

Nico Netzer

Bei uns geht es nicht primär ums Geld. Natürlich wollen wir von unserer Arbeit
leben. Aber im Kern geht es um die Leidenschaft für das Fahrrad und um die
Gemeinschaft. Dass wir im Laden direkt neben der Montage diese gemütliche Couch
und eine gute Kaffeemaschine haben, ist Teil unserer Vision: Basement Bikes ist auch
ein sozialer Treffpunkt in Mannheim. Hier wird nicht nur geschraubt, sondern auch viel
geredet und viel zusammen gemacht.

Hannes Stockmar

Hannes Stockmar

Was uns besonders macht, ist sicher auch die konsequent ehrliche Beratung. Unsere Preise für Bikes und Reparaturen sind fair, und unsere Kund*innen wissen es zu schätzen, dass wir genau das machen, was vorher besprochen wurde. Bei uns soll es keine negative Überraschung beim Bezahlen geben.

Zwei Mitarbeitende unterhalten sich vor der Fahrradwerkstatt im Sonnenlicht.
Arne Große Hülsewiesche

Das reine Fahrradbusiness wäre für uns ein bisschen zu langweilig. Wir handeln nicht einfach nur mit Fahrrädern und reparieren, sondern sehen Basement Bikes auch als Inspiration und Nährboden für Projekte und Aktionen über Radkultur hinaus.

Ralf Laubscher

Ihr gestaltet Radkultur. Welche Projekte und Aktionen habt ihr in Mannheim bereits auf die Straße gebracht?

Nico Netzer

Nico Netzer

Seit 2017 kooperieren wir mit der Interkulturellen Waldorfschule in Mannheim. Da führen wir regelmäßig eine Fahrrad AG durch, um Schüler*innen für das Thema Fahrrad zu begeistern. Neben dem Reparieren stehen Ausflüge und Sport mit dem Fahrrad im Fokus.

Arne Große Hülsewiesche

Arne Große Hülsewiesche

Wichtig ist uns auch die Kooperation mit der AGFJ Mannheim. Das ist eine Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Kindern und Jugendlichen.

Ralf Laubscher

Wie wichtig ist das Hafenviertel Jungbusch für eure Arbeit?

Hannes Stockmar

Hannes Stockmar

Unsere Lage mitten im Jungbusch fühlt sich schon besonders an. Hier hat alles begonnen. Wir waren eines der ersten Startups hier und sind inzwischen eins der ältesten Unternehmen im Quartier. Der Standort ist optimal zentral. Von hier aus sind alle Mannheimer Stadtteile leicht erreichbar.

Vor einer Fahrradwerkstatt mit offenstehender Tür stehen zahlreiche Fahrräder im Innenhof, während eine Person im Sonnenlicht vor dem Gebäude zu sehen ist.

Ralf Laubscher

Mannheim hat seine Rad-Infrastruktur in den letzten Jahren massiv ausgebaut, unter anderem mit dem Radschnellweg RS2 und rund 300 Kilometern Radwegen. Wie seht ihr die Stadt aus Radfahrperspektive?

Ein Mitarbeiter lächelt, während er in einer Fahrradwerkstatt an einem Laufrad arbeitet.
Hannes Stockmar

Mannheim hat da noch sehr viel Potenzial. Zum Beispiel die Verkehrsführung für Radfahrer*innen kann noch weiter verbessert werden, indem man Radspuren von Autospuren komplett trennt.

Ralf Laubscher

Was plant ihr für die Zukunft? Wo seht ihr Basement Bikes in fünf Jahren?

Arne Große Hülsewiesche

Arne Große Hülsewiesche

Wir wollen auf jeden Fall unsere Zukunft hier langfristig sichern. Wie wollen Basement Bilkes als Ort erhalten, an dem Menschen aus der ganzen Stadt zusammenkommen.

Nico Netzer

Nico Netzer

Es ist ein Treffpunkt für eine vielfältige Mischung von radbegeisterten Menschen,
die Liebe und auch Geld in ihre Traum-Bikes investieren – aber auch von Leuten, die
finanziell nicht so stark aufgestellt sind, die vielleicht neu in Mannheim sind, nicht so
gut Deutsch sprechen und einfach Hilfe bei einer Reparatur brauchen.

Hannes Stockmar

Hannes Stockmar

Wir sehen hier großes Zukunftspotenzial für die Radkultur – gerade, wenn man
sich die aktuellen Spritpreise anschaut. Das Rad wird als kostengünstiges und
umweltfreundliches Transportmittel immer wichtiger. Unter anderem das Thema
Lastenrad hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Das passt sehr gut zu
Mannheim, weil die Stadt den Vorteil relativ kurzer Wege hat.

Zwei Personen arbeiten an aufgehängten Fahrrädern in einer gut ausgestatteten Fahrradwerkstatt, deren Wände mit Werkzeugen, Ersatzteilen und Regalen voller Material bestückt sind.

Ralf Laubscher

Wenn ihr in Mannheim unterwegs seid – grundsätzlich nur mit dem Fahrrad?

Nico Netzer

Nico Netzer

Ich kann da für uns alle sprechen: Wir machen alles mit dem Fahrrad, da sind wir konsequent. Das Rad ist für uns das wichtigste Fortbewegungsmittel.

Ein Mitarbeiter arbeitet an einem Fahrrad, das sich in einem Spiegel innerhalb der Fahrradwerkstatt spiegelt.

Ralf Laubscher

Was ist eure Mannheimer Rad-Lieblingstour?

Nico Netzer

Nico Netzer

Ich bin eigentlich voll der Alltagsfahrer. Ich fahre superviel, aber so gut wie keine Touren. Um im Sommer zu erfrischen, liebe ich aber auf jeden Fall die Fahrt durch den Waldpark an den Rhein. Das ist ein Klassiker, der immer Spaß macht.

Arne Große Hülsewiesche

Arne Große Hülsewiesche

Bei mir geht es in die gleiche Richtung – bei gutem Wetter sehr gern durch den Waldpark zum Café Oro am Strandbad. Das ist ein echt uriger Ort mit Mannheimer Dolce Vita am Rhein. In Mannheim ist der Käfertaler Wald optimal für eine schnelle Abendrunde mit einem geländegängigen Gravelbike.

Hannes Stockmar

Hannes Stockmar

Als Mountainbikefahrer brauche ich natürlich Berge. Da Mannheim zentral liegt, sind der Königstuhl bei Heidelberg oder die Single-Trails der Pfalz meine Heimrunden in der Umgebung.

Ralf Laubscher

Was bedeutet euch Mannheim als Stadt zum Arbeiten und Leben?

Arne Große Hülsewiesche

Arne Große Hülsewiesche

Ich komme aus Mannheim und ich mag die Stadt sehr. Bis auf ein paar Jahre in Frankfurt lebe ich schon immer hier und fühle mich superwohl.

Hannes Stockmar

Hannes Stockmar

Ein wichtiger Aspekt ist für mich, dass ich hier sehr gut angebunden bin, hier Familie und Freunde habe. Der Plan ist es, in Mannheim zu bleiben, denn Mannheim hat viele Vorzüge. Klar, es dürften ein paar weniger Autos in der Stadt herumfahren. Das wäre noch schöner, aber man kann ja nicht alles haben.

Ein Mitarbeiter schiebt ein Fahrrad durch den Eingang einer Fahrradwerkstatt mit zahlreichen ausgestellten Fahrrädern.

Wir bedanken uns bei den Basement Bikes für das schöne Gespräch und die Einblicke in die Mannheimer Fahrradkultur.